Sagt doch mal, warum ist das Singen so geil?
Das Chorfest und die Fête de la Musique machen Berlin diese Woche zur Hauptstadt der Musik

Dieser Artikel wurde am 17. Juni 2003 im Berliner Kurier veröffentlicht:

Über 30 000 Sängerinnen aus 17 Ländern und von allen fünf Kontinenten reisen zum Chorfest (19.-22. Juni) nach Berlin. Zwei Berlinerinnen, die dabei sind, heißen Kerstin Maschke (24) und Stephanie Bugiel (25). Sie singen im Jungen Chor "gropies berlin".

Beide sind jung, hübsch und fröhlich. Beste Freundinnen seit Kindertagen. Oft tragen sie sogar die gleichen Klamotten. Schwarz und Rot. Dann geht es um ihr gemeinsames Hobby, den Chorgesang.

Ein skeptisches "Aha" und eine hochgezogene Augenbraue. Das ist oft die erste Reaktion, wenn die Bankangestellte Kerstin erzählt, dass sie im Chor singt. Es gilt als uncool. Chorsänger sind langweilig. "Humbug", sagen Kerstin aus Buckow und Stephanie aus Britz. "Singen macht einfach Spaß, besonders im Chor".

Die beiden Freizeit-Sängerinnen gehören zu den Neuköllner "gropies". Das sind 45 junge Frauen und Männer zwischen 20 und 33. Sie sind wie eine eingeschworene Clique. Gemeinsame Reisen nach Brasilien, Litauen, Italien. Gemeinsame Hobbys. "Viele von uns Tanzen im Verein", erzählt Kerstin, die auch ihren Freund André im Chor kennen gelernt hat. "Uns verbindet eine ganz besondere Freundschaft", stimmt Stephanie zu. Sie selbst ist seit 20 Jahren im Chor. Beim Kinder- und Jugendchor "Gropiuslerchen" fing sie an.

"Beim Singen macht man nicht nur den Mund auf, sondern arbeitet mit dem gesamten Körper." Stephanie schätzt dieses intensive Gefühl. Sie studiert in Potsdam Italienisch. Jeden Mittwoch ist Probe.

Vor wichtigen Events, wie zum Beispiel dem Berliner Chorfest, wird intensiv gearbeitet. "Wir waren eine Woche lang auf der Burg Rothenfels im tiefsten Bayern und haben geprobt", erzählt Kerstin. "Wir haben neue Songs einstudiert. ,Copacabana‘ ist unser absolutes Lieblingslied". Der Schlager mit dem lateinamerikanischen Rhythmus war für alle eine große Herausforderung. "Jetzt swingt es richtig!"

Wie in jeder Gemeinschaft gibt es auch im Chor typische Witzeleien. Die Bass-Stimme ist eingebildet, die Tenöre sind ein bisschen gaga und die Sopranistinnen sind hübsch und zickig. Kerstin und Stephanie singen Sopran. Hübsch sind sie, zickig nicht. Einfach nur mit Spaß dabei. Singen ist eben geil!