Ehrung für den «kulturellen Außenminister»
Dirigent Bernhard Jahn erhält das Bundesverdienstkreuz und feiert mit seinem Chor Geburtstag

Dieser Artikel wurde am 19. Oktober 2001 in der Berliner Morgenpost veröffentlicht:

Neukölln - Er hat das, was man sich bei Künstlern so vorstellt. Eine angenehme weiche Stimme und weiße Haare. Das passt zu einem, der sein bisheriges Leben Menschen, Tönen und Klängen gewidmet hat. Bernhard Jahn, Gründer und Chorleiter der mittlerweile weit über die Bundesgrenzen hinaus bekannten Kinder- und Jugendchöre der Chorschule Gropiusstadt, erhält heute Abend im Rahmen einer ausverkauften Festveranstaltung im Gemeinschaftshaus an der Lipschitzallee das Bundesverdienstkreuz. Gleichzeitig feiern auch einige seiner Schützlinge: Die "gropies berlin" werden 20.

Der 1948 in Berlin geborene Jahn studierte Gesangspädagogik und später Chorleitung. Nach seinem Staatsexamen 1973 gründete er an der Neuköllner Musikschule eine Chorschule mit Singklassen für verschiedene Altersgruppen. 1981 wurden die gropies berlin "geboren". "Viele der damaligen Sänger hatten erste Gesangserfahrungen bereits bei den Kinderchören "Gropiuslerchen" gewonnen, einer anspruchsvollen Gesangsarbeit stand also nichts mehr im Weg", erzählt der 53-Jährige.

Trotz seines hohen musikalischen Anspruchs ist Jahn sich über die Jahre hinweg treu geblieben: "Der Spaß ist vor allem bei jungen Menschen wichtig. Man muss sie beanspruchen und ihr Herz für die Musik öffnen, sonst laufen sie weg." 180 Sänger von sechs bis 60 Jahren bilden das Rückgrat der Gesangsausbildungsstätte. 50 Chormitglieder davon singen allein bei den gropies berlin. "Das Singen und die Gemeinschaft hält das Team zusammen", sagt Jahn. Seine Schützlinge meistern von Schütz, Brahms und Mozart bis hin zu Swing und Jazz alle Stilrichtungen.

Genauso vielzählig sind die Auslandserfahrungen der Sänger. In der Vita der Chorschule stehen Reiseerlebnisse mit Austauschchören aus Dänemark, Schweden, Ungarn, Amerika, Japan und Australien, Brasilien und Indien. Als den "kulturellen Außenminister" von Neukölln hatte Bezirksbürgermeister Bodo Manegold (CDU) den Chorleiter in den vergangenen Jahren oft bezeichnet und so haben sich auch die Maßstäbe von Bernhard Jahn an seine Schützlinge entwickelt. "Wer dazugehören möchte, muss Freude am Singen haben und diese Freude auch weitergeben können", sagt Bernhard Jahn. Und: "Wer singt, baut Brücken und praktiziert damit persönliche Toleranz."

Von Jörg Krauthöfer